Archiv für Juli 2011

Mastbruch vor Duhnen

Mittwoch, 20. Juli 2011

Nordseeabenteuer “Helgoland”

Eigentlich wollte ich zu Pfingsten nach Helgoland paddeln.
“Das bin ich der Elbe schuldig”, dachte ich.
Für mich gehört Helgoland eben noch zur Elbe. Das hören die Helgoländer zwar gar nicht gern, ich weiß. Aber welche Wasser umspülen denn ihre Insel? Es sind die gemeinsamen Flusswasser der Weser und der Elbe – also bitte.
Kaum habe ich mich mit Elbling (mein treues Faltboot) eine schlaffe Seemeile vom Festland entfernt, knirscht es heftig im Gebälk und das gesamte stehende Gut kommt mir entgegen. Was soll denn das bedeuten? Wir haben noch nicht einmal Neuwerk erreicht, da liegt schon das komplette Rigg ermordet vor mir auf der Spritzdecke.

Mastbruch vor Duhnen

Waren das etwa wieder die Elbegötter? Sollte das jetzt eine Warnung sein?
“Bleib hier, die Nordsee ist nicht dein Revier. Da draußen können wir dich nicht mehr beschützen.”
Für eine Segelyacht ist ein Mastbruch eine mittelschwere Katastrophe. Das Schiff geht davon zwar noch nicht gleich unter, aber der Hauptantrieb ist zerstört. Die meisten Skipper benötigen in dieser Situation fremde Hilfe. Nun ist mein Faltboot keine Segelyacht. Ich könnte den Mast bergen und weiterpaddeln. Aber das Zeichen der Götter gibt mir zu denken. Was tun?

Auf meiner langen Reise, tausend Kilometer von der Quelle bis zur Mündung, habe ich mich immer “beschützt” gefühlt. Gut, ich bin beklaut worden, hätte beinahe mein Boot verloren und drohte mit Mann und Maus im Schlick zu versinken. Aber das war doch alles nur Spaß, Neckereien, nicht wirklich gefährlich. Die Elbe war die “Barfußrute”. Entspanntes Reisen. Jetzt aber heißt das Wasser unter uns Außenelbe und etwas später dann Nordsee. Auf einem Meer zu paddeln ist eben etwas anderes. Wenn ich auf dem Fluß kentere, schwimme ich an Land und gut. Hier draußen geht das nicht so einfach. Zwar habe ich eine Schwimmweste um und es sind etliche Schiffe in der Nähe. Auch sonst bin ich gut ausgerüstet, mit GPS und UKW-Handfunke. Trotzdem: Nordsee ist Mordsee! Einen gesunden Respekt habe ich schon vor dem Meer.

Gestern Abend begann alles noch verheißungsvoll.
Der Wetterbericht von Delta Papa 07: “Deutsche Bucht, Südost um 4 Beaufort, später auf West drehend. Sonst gute Sicht.”
Ideales Wetter also, um nach Helgoland zu paddeln, dachte ich. Danke, Delta Papa 07, auf den Seefunk ist Verlass! Punkt acht Uhr sitze ich im Boot und drehe noch eine Ehrenrunde im Hafen der Cuxhavener Seglervereinigung. Die Segler zeigen aber wenig Intereße für den kleinen Paddler da zwischen ihren Yachten. Sie sind schwer mit sich selbst beschäftigt, denn sie rüsten sich für die nächste Etappe der Hochseeregatta zur 77. Nordseewoche, die gerade stattfindet. Immerhin haben wir das gleiche Ziel: Helgoland.

Die Strömung des abfließenden Elb-Wassers ist hier draußen kaum noch zu spüren. Auf diesen natürlichen Antrieb muß ich also verzichten. Von Aussig bis Geesthacht brachte uns die Strömung rund fünf Kilometer in der Stunde voran, ohne dass ich irgendetwas machen musste. Das war natürlich sehr angenehm. Ab Geesthacht ging es bei Ebbe auch gut vorwärts.
Jetzt aber scheint das Wasser zu stehen wie in Böhmen zwischen den Schleusen. Vielleicht sollte ich versuchen zu segeln. In spätestens vier Stunden müßen wir runter sein vom Watt, sonst fallen wir trocken, Elbling und ich. Der Wind dreht aber schneller auf West als angekündigt. Jetzt kommt er schon schräg von vorn und mit ihm eine bremsende Welle von etwa einem Meter. Sobald ich aufhöre zu paddeln, stoppen uns Wind und Welle und treiben das Boot gnadenlos zurück. Also muss ich ordentlich knüppeln, um rechtzeitig übers Watt zu kommen. Vielleicht könnte ich etwas vom Wind abfallen und als Unterstützung das Segel dazunehmen, denke ich und ziehe am Großfall. Da knirscht es vor mir und der Mast bricht wie ein dünnes Streichholz genau an der Stelle, wo die kleine Klampe angeschlagen ist.
Merde!

Blick nach vorn: Neuwerk ist noch weit. Blick zurück: Cuxhaven auch. Ich habe von der Kugelbake aus den kürzesten Weg übers Watt genommen, direkt auf Neuwerk zu. So lange hier noch Wasser steht, ist das kein Problem. Aber in spätestens drei Stunden sollten wir Neuwerk erreicht haben, sonst bleiben wir trocken liegen und werden noch von den Wattwagen überholt. Weiterfahrt erst bei wieder einsetzender Flut! Das kann ein paar Stunden dauern und darauf würde ich wirklich gern verzichten. Jetzt bin ich mir plötzlich nicht mehr ganz sicher, ob ich mein Ziel in der verbleibenden Zeit auch erreiche. Ich treffe eine Entscheidung, die ich sonst nur selten treffe:
Ich kneife und “rudere” zurück.

Chicago in Dresden

Freitag, 1. Juli 2011

Immer mal wieder gibt es ein “erstes Mal”. Das ist tröstlich, sonst würde der Entdecker verkümmern.
Hochkultivierter amerikanischer Pop auf Dresdens schönster Freilichtbühne im Großen Garten. Und was für ein Bläsersatz! James Pankow dirigiert mit dem Zug seiner Posaune die Einsätze und hält das Instrument dabei wie eine Pumpgun.